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siafranka

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Tags: ncis - ff: blockade

Published : 11 months, 1 week ago (Sun, 11 Jan 2009 05:38:09 PST)
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Hatte sie im ersten Moment noch geglaubt, sich verhört zu haben, war Kate natürlich innerhalb Sekunden klar geworden, dass Gibbs die Worte seiner Begrüßung durchaus ernst gemeint hatte. Aber warum machte er das? Sie hatten sich vor vier Wochen doch nicht im Streit getrennt! Verwirrt lies sich die Ermittlerin in ihren Stuhl fallen und die Erinnerungen ihrer letzten Begegnung noch einmal Revuepassieren. Vieles von dem, was nach Peter Mitchells Tod in diesem seltsamen Keller passiert war, lag für Caitlin auch noch heute in einem Nebel und doch konnte sie sich noch genau an jenen Augenblick erinnern, in dem Gibbs völlig ausgepowert plötzlich, wie aus dem Nichts an der Tür gestanden und scheinbar nur wegen ihr, den für ihn so beschwerlichen Weg in den Keller auf sich genommen hatte. Worte hatten sie damals keine gewechselt, aber die waren auch gar nicht nötig, denn allein Gibbs Anwesenheit war für Kate viel mehr wert, als tausend Worte. Irgendwie hatte sie damals für einen kleinen Moment sogar das Gefühl, dass er sich ihr gegenüber öffnen wollte. Doch dann zog er sich genau so schnell wieder hinter seine unnahbare Fassade zurück, wie er sie verlassen hatte. Enttäuscht hatte sie ihren Blick abgewendet und später dann, ohne Gibbs auch nur noch einmal im Krankenhaus besucht zu haben, zu Becky Eltern gefahren. Folglich musste also während ihrem Urlaub etwas vorgefallen sein, was das Verhalten ihres Bosses so grundlegend verändert hatte. Eine sehr beunruhigende Erkenntnis, zumal Gibbs seinem nächsten Spruch auch noch einen Tritt gegen Kates Schreibtisch folgen lies, dessen einziger Zweck wohl nur darin bestand, endlich die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Kollegin zu erhalten.
„Hey Todd, bist Du eigentlich nur hergekommen, um Löcher in die Luft zu starren oder können wir vielleicht doch noch irgendwann mit Deiner Mitarbeit rechnen?“
Kate starrte ihr Gegenüber entgeistert an – hatte ihr Boss jetzt völlig den Verstand verloren? So etwas musste sich die junge Frau wirklich nicht bieten lassen. Sollte dieser Grobian doch sehen, wohin ihn dieses Verhalten bringen würde. Wortlos stand sie auf und eilte, ohne sich auch nur noch einziges Mal ihren Kollegen zuzuwenden wieder zurück zum Aufzug, der sich dankenswerterweise auch gerade noch geöffnet hatte. Aber kaum hatten sich die Türen hinter ihr geschlossen, machte Kate mit nur einem Wort und einem heftigen Schlag gegen die Schalttafel des Aufzuges ihrer Wut erst mal etwas Luft.
„Bastard!“ Was bildete sich dieser Mistkerl eigentlich ein?
Diese seltsame, ja schon fast verletzende Art sie nach ihrem Urlaub „Willkommen“ zu heißen, hatte die Profilerin wirklich hart getroffen und sie wusste nicht wirklich, wie sie damit umgehen sollte. Das war auch der Hauptgrund, weshalb sie aus dem Büro geflüchtet war. Sie musste sich wieder fangen, bevor sie Gibbs wieder gegenübertreten und ihm entsprechend gegenhalten konnte. Aber warum musste Gibbs nur immer gleich diesen mies gelaunten und griesgrämigen Chefermittler rauskehren? Diesen Charakterzug, an den für sie sonst so anziehenden Mann würde sie wohl nie verstehen.
Noch einmal richtete sich ihr Blick auf die Tastatur an der Wand, wo ihr diesmal auch gleich dieser idiotischen Stopp-Hebel ins Auge fiel, der in einem verlockenden Rot nur darauf zu warten schien, dass ihn jemand umlegte. Zögernd legte sie ihre Hand auf den Schalter und fragte sich noch für einen kurzen Moment, ob wohl irgendwo geschrieben stand, dass nur ein Leroy Jethro Gibbs das Vorrecht haben soll, den Betrieb eines Fahrstuhls für seine Zwecke missbrauchen zu dürfen?

Oben im Großraumbüro herrschte nach Kates unerwartetem Abgang natürlich betretenes Schweigen, da Gibbs mit einer solchen Aktion eigentlich nie und nimmer gerechnet hatte. Er starrte noch immer wie geschockt auf die längst geschlossenen Türen des Aufzuges. DiNozzo saß ebenfalls sprachlos an seinem Schreibtisch, jedoch musste sich der junge Italiener diesmal wirklich hart am Riemen reißen, um seinen Vorgesetzten nicht doch noch die Meinung zu geigen und dann seiner Kollegin zu folgen. Allerdings war ihm durchaus auch bewusst, dass er mit Sätze wie „Na Klasse, Gibbs. Das hast Du ja wirklich mal wieder super hinbekommen? Merkst Du dummer Idiot eigentlich nicht, wie unglaublich verletzend Du manchmal sein kannst?“ das Ganze nur noch schlimmer machen und Gibbs seine schlechte Laune und seinen Unmut dann auch sicher auf Caitlin übertragen würde. Die Stimmung des Ex - Marine war nämlich seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus und der Rückkehr ins Büro vor zwei Wochen ohnehin schon bis ins Bodenlose gerutscht und Entgleisungen, wie die gerade geäußerten, gehörten seitdem im Grunde auch schon fast zum Alttag. Allerdings wagte keiner aus dem Team – nicht mal Ducky – zu fragen, was los war. Ebenso ließ auch das Aussehen des grauhaarigen NCIS – Beamten darauf schließen, dass er in den vergangenen vierzehn Tagen wohl kaum eine Nacht in seinem Bett verbracht hatte, stattdessen vermutlich aber – falls überhaupt, erst nach reichlichem Genuss seines Bourdon Whiskey in den frühen Morgenstunden unter seinem Boot zur Ruhe gekommen war. Tony konnte mittlerweile leider auch ein Lied davon singen, dass üble Laune gepaart mit den Nachwirkungen einer durchgezechten Nacht bei einem Mann wie Gibbs, der Umgang mit seiner Umwelt schon fast lebensgefährliche Züge annehmen konnte.
DiNozzo wusste schon, weshalb er jetzt lieber die Klappe hielt, bevor er noch mehr in Schwierigkeiten geriet. Gibbs hatte sich nämlich vor allem auf den Ex – Cop aus Baltimore eingeschossen und Sprüche wie: „Hey – DiNozzo! Wenn Du mir sagst, dass Du wieder nichts gefunden hast, kannst Du Dir gleich Deine Kündigung abholen!“, „Wie wär’s, wenn Du langsam in die Gänge kommen würdest? Schließlich wirst Du hier nicht fürs Nichtstun bezahlt!“ oder „Verdammt noch mal, DiNozzo! Was glaubst Du eigentlich, wer Du bist?“ zählten dabei durchaus noch zur etwas harmloseren Sorte.

Special Agent Leroy Jethro Gibbs hätte es sicher nie zugegeben, aber ihm machte dieses innige Verhältnis, das sich in den letzten Wochen zwischen seinen beiden Kollegen entwickelt hatte, mehr zu schaffen, als ihm lieb war. Zumal ihre Vertrautheit und ihr ständige Kontakt auch während Kates Urlaub, in ihm keinen Zweifel aufkommen ließ, dass die Beiden längst über das Stadium einer rein freundschaftlichen Beziehung hinaus waren. So etwas konnte man als Vorgesetzter doch niemals gutheißen, zumal er Regel Nummer zwölf doch nicht ohne Grund aufgestellt hatte! Jeder, wirklich jeder hatte sich daran zu halten! Außerdem würde dieser italienische Windhund seine Kollegin doch schon bei der erstbesten Gelegenheit betrügen und sitzen lassen und das hätte dann nicht nur für die Beiden, sondern für das gesamte Team Folgen - ein vorhersehbares Desaster, das er mit allen Mitteln bekämpft sollte! Nur ganz selten, falls überhaupt kam ihm dabei allerdings auch nur der Gedanke, dass es vielleicht doch die Eifersucht sein konnte, die ihn trieb…

Kate hatte natürlich keine Ahnung von Gibbs Dilemma. Stattdessen stand sie nun im faden Licht der Notbeleuchtung des Fahrstuhls und dachte noch mal darüber nach, ob sie vielleicht doch etwas zu überzogen auf Gibbs Bemerkungen reagiert hatte. Solche Sprüche waren ihr doch bisher auch nicht gänzlich unbekannt. Beunruhigt fragte sie sich, ob das wohl jetzt ihre Hormone sein konnten, die verrückt spielten? Ihr Bruder Zack, der seit ein paar Tagen von ihrem kleinen Geheimnis wusste, hatte sie ja schon am Telefon vorgewarnt, dass sie im Laufe der nächsten Monate mitunter unerträglich werden konnte, doch bisher hatte die junge Frau noch keine Veränderung an sich festgestellt.
Moment mal – da stimmt doch etwas nicht! War sie jetzt tatsächlich gerade dabei, für Gibbs Partei zu ergreifen? So etwas hatte dieser Mistkerl doch gar nicht verdient, oder etwa doch?
Verwirrt schüttelte Caitlin den Kopf, denn im Grunde war es doch völlig egal, ob sie gerade wirklich Opfer ihrer Hormonschwankungen geworden war, oder ob sie vielleicht doch ein Anrecht darauf hatte, auf Gibbs wütend zu sein. Die Enttäuschung, dass er jetzt noch nicht einmal mehr ein freundliches Wort zur Begrüßung für sie übrig hatte, tat einfach nur schrecklich weh! Wenn sie ihn doch nur beleidigt, oder irgendetwas falsch gemacht hätte, dann hätte sie eine klare Situation gehabt und dafür auch gerade stehen können. Aber so konnte auch die Alternative, Gibbs habe nur mit jemand Anderen Probleme und sie wäre einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen der Wahrheit entsprechen. Diese Version klang zwar auch plausibel, doch Kates innere Stimme hegte sofort starke Zweifel an ihrer Echtheit, zumal ihr Boss bisher trotz all seiner schlechten Launen doch immer irgendwie ein kleines, wenn auch verstecktes Lächeln für sie übrig hatte.
Frustriert stöhnte Kate auf. Sie wusste noch immer nicht, woran sie war und die Zweifel, die in ihr nagten, wurden auch nicht weniger – ganz im Gegenteil:
War jetzt wirklich der richtige Zeitpunkt, ihm reinen Wein einzuschenken?
Wollte sie tatsächlich mit einem so ungehobelten Kerl zusammen sein, dem es scheinbar egal war, dass ihn alle für einen herzlosen Bastard hielten? Und was, wenn es tatsächlich kein Zufall gewesen ist und er tatsächlich böse auf sie war? Was würde sie dann machen? Sich versetzen lassen und versuchen alleine zu Recht kommen? Klar, das hatte sie bisher auch geschafft, aber nun hatten sich die Vorzeichen doch gravierend verändert!
Fragen über Fragen und doch keine Antworten.
Was würde wohl ihre beste Freundin Abby zu dem Ganzen sagen?

xxxx

Moment - wo war die überhaupt? Erst jetzt fiel Caitlin auf, dass die flippige Forensikerin, die es bei solchen Anlässen normalerweise schon vorher vor lauter Aufregung kaum aushalten konnte, bei ihrer Ankunft gar nicht anwesend war. Dafür musste es allerdings einen triftigen Grund geben, da Abby sonst auch keine Gelegenheit ausließ, dem Arbeitsalltag ihres Laborslebens zu entfliehen. Möglicherweise gab es ja einen neuen, heißen Fall, bei dem die Dringlichkeit ihrer Arbeit, zusätzlich gehandicapt durch das zu Spätkommen von Kate einfach keinen Aufschub mehr erlaubt hatte. Für einen kurzen Moment huschte sogar ein kleines Lächeln über das Gesicht der Ermittlerin, als sie sich vorstellte, wie der schwarzhaarige Wirbelwind gerade ganz hippelig vor ihren Maschinen auf und abtanzte und sehnsüchtig auf einen verabredeten Anruf von Tony wartete. Jedoch bezweifelte Kate, dass sich dieser in der nächsten Zeit auch nur in die Nähe eines Telefons trauen würde. Die einzig vernünftige Lösung würde wohl sein, gleich selbst runter ins Labor zu gehen und ihre Freundin zu besuchen. Vielleicht war McGee ebenfalls da und die beiden Computerfreaks des NCIS konnten ihr bei dieser Gelegenheit auch gleich erzählen, was mit ihren Vorgesetzten tatsächlich los war. Hoffnungsvoll, dass ihr wenigstens diese Beiden ein wenig weiterhelfen konnten, legte Kate den Hebel des Notschalters zurück in die Ausgangsposition. Das Licht der Aufzugbeleuchtung flackerte kurz, doch dann setzte sich der Fahrstuhl auch schon wieder in Bewegung, während sich Kate gegen die kalte Metallwand lehnte und darauf noch immer etwas angespannt darauf wartete, dass sich die Türen auf der übernächsten Ebene erneut für sie öffneten.

Was wohl passiert wäre, wenn sie sich schon damals, kurz vor dem Zwischenfall mit Mitchell ihrer Freundin anvertraut hätte? Sicher wäre sie dann nie in eine so vertrackte Situation geraten, wie sie jetzt war und längst auch mit der Liebe ihres Lebens zusammen. Aber war damals nicht genau diese Tatsache, dass sich die Forensikerin eingemischt und spätestens jetzt ihren Boss die Augen geöffnet hätte, der Grund gewesen, weshalb Kate es vorgezogen hatte, sie lieber doch nicht ins Vertrauen zu ziehen? Aus heutigen Sicht vielleicht ein Fehler, aber noch war es ja nicht zu spät, sich wenigstens den Rat einer besten Freundin zu holen.

Vor der Eingangstür zum Labor erlebte Kate allerdings bereits die nächste Enttäuschung an diesem Morgen, da weder das Licht brannte, noch dröhnender Lärm aus den Lautsprechern der Stereoanlage zu kommen schien. Keine laute Musik und keine piependen Maschinen? Folglich auch keine leicht überdrehte Abigail Sciuto…

„Verdammt noch mal, das darf doch alles gar nicht!“ War denn heute die ganze Welt gegen sie? Kate war beinahe gewillt, dieser, schon fast einer Verschwörungtheorie gleichenden Mutmaßung Glauben zu schenken, als plötzlich ein ziemlich ungutes Gefühl in ihr aufstieg. Abby hätte doch sicher Bescheid gegeben, wenn sie heute Morgen verhindert gewesen wäre, oder? Was, wenn die quirlige Goth einen Unfall hatte, oder krank in ihrem Bett lag? Langsam machte sich Caitlin wirklich Sorgen um ihre Freundin!
Es half nichts, um wirklich herauszufinden, wo Abby abgeblieben war, musste sich Kate wohl oder übel auf den Weg zu Ducky in die Pathologie machen, womit sie normalerweise auch gar keine Probleme hatte. Nur hatte sie im Moment einfach so ihre Zweifel, ob sich ihr sensibler Magen über den nicht immer sehr appetitlichen Anblick eines Leichnams und den dazugehörigen Gerüchen wirklich freuen würde. Caitlin hatte eigentlich so gar keine Lust, sich schon wieder zu übergeben.

Glücklicherweise erkannte sie aber schon beim Eintritt in die Pathologie, dass sich dort heute noch keinerlei leblose Körper auf einer der drei Wannen befanden, an denen der alternde Pathologe sonst arbeitete. Dieser saß stattdessen an seinem Schreibtisch und war emsig damit beschäftigt, einen sehr lateinisch klingenden Bericht in sein Diktiergerät zu murmeln. Obwohl er mit den Rücken zur Tür saß, schien er aber trotzdem zu ahnen, wer da wohl gerade seine „heiligen“ Hallen betreten hatte. Jedenfalls fiel seine Begrüßung, zu der er nicht mal den Anstand hatte, sich umzudrehen, nicht gerade freundlich aus:
„Mr. Palmer, ich hoffe für Sie, dass Sie nicht erst jetzt zur Arbeit erscheinen, sondern schon seit den frühen Morgenstunden mit der Bestückung unseres Wagens beschäftigt sind. Da ich aber bei Ihnen jedoch schon seit langem nicht mehr an Wunder glaube, sollten sie in ihrem Interessen lieber eine mehr als überzeugende Begründung für mich parat haben, mit der Sie Ihr Fernbleiben begründen wollen!“
– Schweigen – Was von Ducky allerdings nur mit einem ziemlich bedrohlichem „Ich warte!“ honoriert wurde.
„Naja, “ begann Kate daraufhin etwas zaghaft zu antworten. „Ich - ich weiß ja nicht, welchen Grund Jimmy für sein zu Spät kommen haben könnte, aber ich muss zugeben, dass ich heute Morgen – “
„Oh Gott!“ Erschrocken über seinen kleinen Faux pass schnellte Dr. Mallard natürlich sofort hoch, um seinen Fehler wieder gut zu machen. „Tut mir Leid, Caitlin! Ich – ähm – ich dachte, Mr. Palmer – Er – ähm – “ Doch statt weiter stotternd nach einer dummen Entschuldigung zu suchen und sich lächerlich zu machen, winkte Kates väterlicher Freund plötzlich einfach nur noch ab, um sie dann zärtlich in seine Arme zu ziehen und sanft auf ihre rechte Wange zu küssen. „Schön, dass Du wieder da bist!“
Erleichtert über diesen überschwänglichen Willkommensgruß ließ sich Kate natürlich nur all zu gerne drücken und begrüßte ihn auch ihrerseits mit einem sehr herzlichen „Hallo Ducky!“
Dann lösten sich die Beiden wieder voneinander und Donald machte einen Schritt zur Seite, um sein hübsches Gegenüber etwas genauer zu betrachten.
Vermutlich war dem alten Mann diese langjährige Angewohnheit schon gar nicht mehr bewusst, was Kate aber nicht davon abhielt, diese Geste als ein klein wenig unangenehm zu empfinden. Einem erfahrenen Arzt, wie Ducky, würde doch bestimmt nicht nur ihre bleiche Gesichtsfarbe auffallen. Er würde sicher auch noch andere Kleinigkeiten bemerken, die ihr selbst vielleicht noch gar nicht bewusst waren.
„Du siehst ein wenig blass aus, meine Liebe. Geht es Dir wirklich gut?“ Besorgt musterte Dr. Mallard ihren beunruhigten Blick, woraufhin sich Kate allerdings zusammenriss und ihm nur etwas von einer kleinen Magenverstimmung erzählen wollte. „Nichts Ernstes, Ducky. In ein, zwei Tagen bin ich bestimmt wieder vollkommen fit.“
Doch Ducky war sich nicht sicher, ob das wirklich der Wahrheit entsprach.
“Und wieso hast Du Dir dann nicht die Zeit genommen, Dich auch noch diese beiden Tage auszukurieren? Ich mein, Du hättest auch anrufen können und Bescheid sagen können, dass es Dir nicht gut geht. Wir haben uns wirklich Sorgen um Dich gemacht – Anthony war vorhin schon drauf und dran, um nach Dir zu sehen, doch dann hat Jethro ihn noch einmal zurückgepfiffen.“
„Ach ja?“ Gibbs war also dagegen gewesen – Kates Interesse war zwar geweckt, ihr Einwurf klang jedoch ziemlich kalt.
„Ja. Allerdings glaub ich Dich mittlerweile so gut zu kennen, um zu wissen, dass du sicher auch nicht auf Antony oder mich gehört hättest und trotzdem zur Arbeit erschienen wärst. Hab ich Recht, meine Liebe?“
„Vermutlich.“ Auch diese Antwort war ungewohnt wortkarg und kühl und für einen kurzen Augenblick herrschte ein unangenehmes Schweigen zwischen den Beiden. Doch dann wechselte Ducky schnell das Thema.
„Ich soll Dir übrigens innige Grüße von Abigail bestellen. Die Arme hatte sich ja schon so sehr auf Euer Wiedersehen gefreut, aber dann wurde sie vor zwei Stunden leider völlig unerwartet noch einmal zum „Dorn – Fall“ beordert, um vor Gericht noch eine zweite, völlig ungeplante Zeugenaussage zu machen – Aber wie ich wahrscheinlich zu Recht vermute, weißt Du darüber natürlich schon längst Bescheid.“
Doch Kate sah ihn nur erstaunt an.
„Wie sollte ich? – Tony ist da oben mittlerweile sicher mehr als reichlich mit Arbeit eingedeckt und meinen mobilen Telefonanschluss hab ich leider vorgestern zu meinem Leidwesen unwiederbringlich im ‚Canyon Ferry Lake’ versenkt.“
„Dann hat Dich Abigail vermutlich auch nicht mehr über Dein Festnetz erreichen können?“
„Nein, leider nicht, allerdings habe ich das Gefühl, dass wir uns da wohl nur um Haaresbreite verpasst haben…“ Kate konnte sich nämlich nur all zu gut an dieses kleine, stets geduldig blinkende Licht an ihrem Anrufbeantworter erinnern, das sie aber aus Zeitgründen so kurz vor ihrer Abfahrt einfach gänzlich ignorieren musste. „Aber was soll’s, wir sehen uns ja sicher noch früh genug…“
Damit war für Kate das Thema vorerst abgeschlossen und auch Ducky war gewillt, das Ganze auf sich zu beruhen lassen. Jedoch hatte er zu diesem See, dessen Namen Kate erwähnt hatte noch eine Geschichte zu erzählen.
„Du warst also am Canyon Ferry Lake’. Dann hast Du ja sicher auch das schöne kleine Städtchen Helena besucht, stimmt’s?“ Kate nickte. „Hab ich Dir schon mal davon erzählt, dass ich als junger Mann ganz allein quer durch alle Staaten getrampt bin? – Nein? – Oh ja, man sieht es mir vielleicht heute nicht mehr unbedingt an, aber damals bedurfte es durchaus einen gewissen Waagemut, sich auf eine solch abenteuerliche Reise zu begeben …“ Und schon das der Beginn einer schönen langen Geschichte, wie Ducky sie am liebsten weitererzählte. Doch kaum hatte er damit begonnen, wurde er zu seinem Leidwesen auch schon wieder von zwei Bediensteten des Marine Corps unterbrochen, die im Auftrag ihres Regiments die sterblichen Überreste eines Kameraden abholen sollten. Der arme Mann war vor ein paar Tagen bei einem Unglücksfall aus zunächst ungeklärten Umständen ums Leben gekommen.
Widerwillig entschuldigte sich der Pathologe seufzend bei seiner Kollegin und erhob sich, um den beiden Männern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
„Guten Morgen, mein Herren. Sind sie nicht etwas zu früh dran? Soweit ich informiert bin, sollten sie eigentlich erst um 15:00 Uhr Zulu-Zeit hier sein.“
„Ja Sir.“ antwortete der Ältere, der allerdings auch noch keine Fünfundzwanzig war. „Aber Special-Agent Hillman hat gemeint, dass es in Ordnung sei, wenn wir Petty Officer Greenwich schon heute Vormittag mit nach Norfolk nehmen würden.“
„So, meinte er das.“ Ducky konnte einen leicht zynischen Unterton nicht unterdrücken. Was bildete sich dieser neue Agent aus San Diego eigentlich ein? Arbeitete noch keine vier Wochen in Washington und glaubt schon, sich einfach über alle Regeln hinwegsetzen zu können? Arroganter Schnösel! Gibbs hatte schon Recht, wenn er diese Kalifornier immer nur ziemlich abwertende Hollywoodagenten nannte. Allerdings kamen Ducky auch die beiden Jungs hier unten ziemlich ausgebufft vor. Wer weiß, ob sich die Zwei heute nicht nur einen zweiten Weg von Norfolk nach Washington sparen wollten. Nun gut, aber um das nachzuprüfen, war Ducky im Moment einfach der Aufwand zu groß. Was allerdings nicht hieß, dass eine Pathologie, wie diese, nicht auch Möglichkeiten bot, ungebetenen Gästen das Leben schwer zu machen. Also machte der alte Fuchs gute Miene zum bösen Spiel und eilte mit den Worten „Sie folgen ja auch nur Ihren Befehlen.“ auch schon zu seinen Kühlfächern, um das entsprechende Fach mit dem Leichnam zu öffnen. „Jedoch müssten sie mir etwas zur Hand gehen, da wir noch keine Zeit hatten, Petty Officer Greenwich in einen Transportsack umzulagern.“ Dass vielleicht nicht jeder aufgrund diverser Ausdünstungen für diese Arbeit geeignet kam dann etwas später. Zu spät für die beiden Soldaten, da sie zu diesem Zeitpunkt schon lange ihre Gesichtfarbe geändert hatten. Wieso allerdings auch Kate mit der Hand vor dem Mund aus der Leichenhalle lief, blieb für Ducky einen ganz kurzen Augenblick noch ein Rätsel…

xxxx

Allerdings hatte Dr. Mallard natürlich sofort einen bestimmten Verdach und er war ihr auch bis zur Toilette gefolgt. Doch als er schon fast in Begriff war, die Türklinge herunter zu drücken, kamen ihm Skrupel.
Caitlin hatte doch sicher ihre Gründe, weshalb sie bisher noch nichts von ihrem kleinen Geheimnis erzählt hatte.
Vielleicht war auch der Vater noch völlig ahnungslos und die junge Frau wollte diesen vorher noch reinen Wein einschenken.
Doch wer war es?
Einen Freund außerhalb des NCIS konnte sich Ducky im Augenblick kaum vorstellen, da die attraktive Schönheit schon seit Monaten nichts mehr von irgendwelchen Männerbekanntschaften erzählt hatte. Ebenso unvorstellbar erschien ihm aber auch die Möglichkeit, dass sich Caitlin in einen der Agenten außerhalb des Teams verliebt hatte, ohne dass dies zum allgemeinen Gesprächsthema geworden wäre. Folglich blieben nur noch Leroy Jethro Gibbs und Anthony DiNozzo.
Aber konnte ein One Night Stand mit Kate tatsächlich der Grund für Gibbs schlechte Laune sein? Ducky schüttelte den Kopf. Nein, sein grauhaariger Freund würde sich doch nie zu so etwas Banalem mit einer Frau hinreißen lassen, die ihm wirklich was bedeutete.
Doch was, wenn Jethro mit Kate tatsächlich schon länger heimlich was am Laufen hatte? Welchen Grund gäbe es dann noch für Gibbs so muffig und übelgelaunt herum zu rennen, wie er es schon seit Wochen tat?
Andererseits glaubte der Arzt aber auch nicht, dass Anthony DiNozzo tatsächlich das Risiko eingegangen sein könnte, einfach so Regel Nr. 12 zu brechen?
Klar verstanden sich die beiden jungen Leute ausgezeichnet und sie passten vermutlich auch rein äußerlich ganz gut zusammen, aber reichte das wirklich für ein gemeinsames Leben? Der erfahrene Pathologe hatte da so seine Bedenken, zumal er bisher eigentlich immer noch darauf gehofft hatte, dass sich sein langjähriger Freund Jethro, dessen Leben schon von so vielen Enttäuschungen gezeichnet war, vielleicht doch noch einen Ruck gab und Caitlin seine Liebe, die er zweifellos für die junge Frau empfand, gestand.
Aber letztendlich lag das alles nicht in Duckys Entscheidung, sondern in Caitlins – und diese musste nun auch mit den Folgen ihres Handels zu Recht kommen. Er würde schon noch früh genug erfahren, wer wirklich der Vater war und bis dahin konnte er ja stets ein wachsames Auge auf das Baby und seiner Mutter haben.

Das plötzliche Rauschen eines Wasserhahns deutete an, dass sich Kates Magen mittlerweile auch ohne das Zutun eines Arztes beruhigt hatte und sich besagter Arzt am Besten gleich wieder in die Pathologie zurückziehen sollte, wo ohnehin noch immer die beiden Soldaten auf die Übergabe ihres Kameraden warteten. Vorsichtig öffnete Kate die Tür, um zu sehen, ob die Luft rein war. Dann eilte sie behutsam Richtung Aufzug, wo sie aber noch mal kurz vor der Glastür zu Pathologie stehen blieb und darüber nachgrübelte, ob sie sich nicht vielleicht doch bei ihrem väterlichen Freund für ihren schnellen Abgang entschuldigen sollte? Aber was sollte sie ihm sagen? Gründe, es nicht zu tun, gab es wirklich ausreichend, also zog es Kate dann doch vor, sich schnellstmöglich in den Aufzug zu verdrücken.

Schon komisch, wie sich manche Dinge an diesem Morgen wiederholten!
Wie oft hatte sie eigentlich heute schon in diesem dämlichen Fahrstuhl gestanden? Widerwillig wählte Kate an der Tastatur erneut den dritten Stock, da ihr nichts anderes mehr übrig blieb, als Gibbs von Neuen gegenüberzutreten. Vielleicht war es ja auch ein Wink des Schicksals, dass sie nun schon wieder da stand, wo sie vor etwa einer dreiviertel Stunde angefangen hatte. Kate war so mit ihren Gedanken beschäftigt, dass Sie zunächst gar nicht mitbekam, wie jemand nach ihr rief.
„Agent Todd! – Warten Sie – können Sie mich noch mitnehmen?“ Irritiert sah sie hoch und entdeckte ein paar Meter weiter hinten ihren obersten Boss Tom Morrow, der sich schnell noch zwischen die sich schließenden Türen in den Aufzug zwängen wollte. Atemlos kam er neben Kate zum Stehen.
„Geschafft! - Hallo Agent Todd, schön dass sie wieder da sind!“ begrüßte der etwas ältere Herr mit dem etwas schütteren Haarwuchs seine hübsche Agentin, die seinen Gruß allerdings nur mit einem knappen „Director Morrow“ und einem kurzen Nicken erwiderte.
Eigentlich mochte Kate Tom Morrow ja, aber musste der ausgerechnet heute mit ihr Aufzug fahren?
„Sie waren doch sicher bei Dr. Mallard. Haben Sie unseren Ducky nur besucht, oder sind Sie etwa schon wieder im Dienst?“
Bedauerlicherweise versuchte er nun auch noch ein Gespräch mit ihr zu beginnen, auf das sie eigentlich gar keine Lust hatte, aber nach kurzem Zögern dann doch einging.
„Nein, Sir. Leider muss ich schon wieder ran. Aber ich – ähm – ich würde mich jetzt, da wir uns gerade treffen, noch mal gerne persönlich für Ihre Großzügigkeit bedanken. Diese vier Wochen Urlaub haben mir wirklich sehr gut getan und ich glaub, ich konnte tatsächlich ein klein wenig Abstand gewinnen.“
„Das war doch nach einem so schrecklichen Erlebnis selbstverständlich. Aber ist Ihnen eigentlich bewusst, welch ausgezeichneten Führsprecher sie in Special – Agent DiNozzo haben? Der junge Mann lässt ja wirklich erst dann locker, wenn er hat, was er will.“
„Ja, weiß ich. Anthony DiNozzo war mir auch sonst in diesen Wochen wirklich eine große Hilfe.“
„Schön, dass es wenigstens in ihrem Team noch so viel Vertrauen gibt.“ Ein Satz, der erst mal verdauen werden musste, denn selbst ein Director konnte sich mal irren. „Trotzdem sehen Sie noch immer etwas blass aus, Agent. Geht es Ihnen wirklich schon wieder so gut, dass Sie arbeiten können?“
„Was? – Nein – Ja, ich bin schon in Ordnung! Machen sie sich keine Sorgen.“ Die Entwicklung des Gespräches brachte Kate plötzlich auf die Idee, dass sie die sich gerade bietende Chance vielleicht gleich zur Anmeldung eines vertraulichen Gespräches nutzen sollte! Wer weiß, wann sie sonst wieder die Gelegenheit dazu hatte. „Ich – ähm – Darf ich Ihnen eine Frage stellen, Sir?“
„Aber natürlich“
„Tja ähm, könnte ich in den nächsten Tagen vielleicht mal mit Ihnen sprechen?“ Der Director hob erstaunt eine Augenbraue, so dass Kate noch ein „Ich mein - offiziell!“ hinterher schob.
„Aber Sie doch immer, Miss Todd. Worum geht es denn?“
„Na ja, es ist privat – aber trotzdem hat es mit meiner Arbeit beim NCIS zu tun.“
„Da machen Sie mich jetzt aber wirklich neugierig. Aber leider bin ich in den nächsten fünf Tagen nicht in Washington - ich muss zu einer internationalen Konferenz nach Paris!“
Kate senkte enttäuscht ihren Blick, womit sie jedoch auch Morrows Mitleid erweckte.
„Ach, wissen sie was, Agent Todd? Ich hab’ gerade eine viertel Stunde Zeit. Spricht irgendetwas dagegen, das wir gleich zu mir ins Büro gehen und sie mir einfach erzählen, was sie auf dem Herzen haben?“
Das wiederum ging Kate schon fast etwas zu schnell. Hätte sie doch bloß ihre Mund gehalten und den normalen Dienstweg genommen!
„Ich weiß nicht. Ich denke, das Ganze hat bestimmt auch noch Zeit bis sie wieder da sind. Sie brauchen doch auch mal eine kleine Pause.“
„Ach was, im Grunde hab ich mich doch nur vor einem Anruf gedrückt, den ich nicht entgegen nehmen wollte und damit meine Sekretärin nicht für mich lügen muss, habe ich mich einfach aus dem Staub gemacht.“
Kate war noch immer nicht ganz wohl bei der ganzen Sache, zumal das klärende Gespräch mit Gibbs noch immer ausstand. Aber wollte sie diese Gelegenheit jetzt wirklich verstreichen lassen? Sie würde sich doch sicher nicht verzeihen können, wenn ihrem Baby oder ihr selbst ausgerechnet während Morrows Abwesenheit in ihrer Tätigkeit als Field – Agent irgendetwas passieren würde? Mittlerweile bestand ihr oberster Boss sogar auf das Gespräch, das sie selbst eingefädelt hatte, also willigte sie schweren Herzens doch ein und saß wenige Minuten in Morrows Amtszimmer.
Der dunkelbraune Ledersessel in dem sie in der Sitzecke des Büros Platz genommen hatte, trog das Auge des Benutzers, da er viel bequemer aussah, als er tatsächlich war. Wieso wirkten Räume, wie dieser eigentlich immer so groß und kalt? Kate war schon wieder ganz flau im Magen. Da half es auch nicht, dass sich der ältere Mann mit der Glatze sichtlich um sie bemühte und dafür sorgte, dass es ihr an nichts fehlte. Aber Kate lehnte den Kaffee und das Gebäck, das er ihr anbot, dankend ab. Morrow selbst gönnte sich jedoch ein Tässchen und versuchte somit auch die sterile Atmosphäre eines Arbeitsgespräches etwas aufzulockern.
„Nun, Agent Todd. Wollen sie mir jetzt erzählen, was sie auf dem Herzen haben? Ich bin ganz Ohr und sicher, dass wir für ihr Problem eine Lösung finden werden.“
„Also gut.“ Kate schluckte, in der Hoffnung, nun wenigstens einen einigermaßen passablen Satz rauszubekommen. „Ich – ähm – ich habe eine große Bitte an Sie, Sir.“ Der Kloß, der sich in ihren Hals gebildet hatte, schien noch immer größer zu werden und doch war ihr klar, dass sie nun endgültig Farbe bekennen musste, wenn sie sich nicht vor Morrow komplett zum Affen machen wollte. „Was glauben Sie, Director Morrow? Was würde wohl passieren, wenn ich Sie um eine schnellstmögliche Versetzung bitten würde?“ Kate versuchte dem erstaunten Blick ihres Chefs standzuhalten.
„Was?“ Im Gesicht des älteren Mannes spiegelte sich sofort eine ziemlich große Überraschung wieder, zumal sich der erster Gedanke, der sich gerade in ihm entfaltete, Gibbs gegenüber auch nicht gerade schmeichelhaft war:
‚Dieser griesgrämige, sture, alte Bock! Hat er es also auch diesmal geschafft, die beste Agentin, die er bisher hatte zu vergraulen!’ Jedoch erlaubten seine Erziehung und sein Status als Leiter einer Bundesbehörde es ihm nicht, sich in der Wortwahl seiner Antwort derart krass zu vergreifen, obwohl ihn sein langjähriger Weggefährte diesmal wirklich mächtig enttäuscht hatte. Allerdings konnte er die Frustration, die er nach Kates Worten verspürte, nicht ganz verheimlichen.
„Hat es Gibbs also jetzt auch bei Ihnen geschafft? Dabei dachte ich wirklich, Sie wären die erste Frau, die es bei Ihm auf Dauer aushalten kann.“
„Wie geschafft?“ Kate war etwas verwirrt, verstand nicht, worauf Morrow anspielte.
„Ich mein, er hat Sie doch auch mit seinen miesen Launen aus dem Team vertrieben, oder etwa nicht? Sie haben ja gar keine Ahnung, wie viele schon vor Ihnen hier auf diesem Stuhl gesessen haben und genau dasselbe von mir verlangt haben, wie Sie, Agent –“
„Nein, Director Morrow – Moment!“ Bestürzt fiel ihm Kate ins Wort, um ihn unterbrechen. „Sie haben mich da jetzt gerade ziemlich missverstanden. Mit Special Agent Gibbs komm ich schon irgendwie zurecht! Mir geht hier einzig und allein um mich selbst. Ich selbst habe einen wichtigen Grund, weshalb ich in den Innendienst wechseln will! Ich möchte gerne –“
„Ach, sie wollen in den Innendienst, Agent Todd.“ Langsam schien dem Director des NCIS – Hauptquartiers zu dämmern, woher der Wind wehte, „Wieso haben sie das denn nicht gleich gesagt? Sind sie etwa – “
„Schwanger?" Kate hatte ihn schon wieder unterbrochen und war froh, dass es endlich raus war. „Ja, ich bin schwanger und will einfach kein Risiko mehr eingehen, das meinem Kind schaden könnte!“ Auch wenn ihr Herz für einen Augenblick noch immer bis in den Hals schlug, spürte sie ganz genau, wie eine große Last von ihr abfiel. Ebenso schien gleichzeitig aber auch schon wieder ihr Selbstbewusstsein am Wachsen zu sein, da sie sonst nie Morrows erstaunten Blick mit einem ziemlich flapsig klingenden „Oh ja, Sie haben mich schon richtig verstanden, Director Morrow. Auch allein stehende Frauen können Kinder bekommen!“ hätte kontern können. Jetzt musste sie es nur noch Jethro schonend beibringen!

Da Kate neben ihrer Ausbildung zum Profiler auch noch das Talent besaß, Dinge ziemlich einfach und anschaulich zu erklären, wurde ziemlich schnell klar, wo die schwangere junge Frau die Zeit bis zum Beginn ihres Mutterschutzes verbringen konnte. Und dabei war es völlig egal, ob eine glückliche Fügung oder das Pech eines Anderen dafür verantwortlich waren, dass es seit ein paar Wochen eine unbesetzte Stelle im Schulung – Zentrum der Behörde gab. Der fest angestellte Fachmann in Kates Spezialgebiet hatte nämlich vor kurzen einen schweren Unfall und würde sicher noch ein paar Monate ausfallen. Special – Agent Grant, der Leiter der Abteilung hatte zwar sofort einen Ersatz angefordert, war aber in Zeiten der allgemeinen Einsparungen immer wieder aufs Neue vertröstet worden.
Kate hatte zwar nicht direkt die Berechtigung Unterricht zu erteilen, aber in Anbetracht seiner misslichen Lage war Grant froh, zumindest die kurzfristig noch anstehenden Stunden mit einer adäquaten Aushilfe ersetzen zu können. Was die Beiden in Morrows Büro allerdings nicht bedachten, war die Tatsache, dass sich Grant, wie jeder gute Special – Agent des NCIS verhalten könnte und auf der Suche nach Informationen über Special – Agent Caitlin Todd zwangsläufig auch relativ schnell via Telefon bei Gibbs landete…

Nachdem noch ein paar administrative Dinge geklärt worden waren und Kate darum gebeten hatte, es selbst ihrem Team sagen zu dürfen, verabschiedete sie sich von ihrem Director und verließ das Büro.
Endlich.
Natürlich war der frischgebackenen Dozentin für Profiling klar, dass es nun einfach keinen Aufschub mehr geben konnte und sie umgehend mit Gibbs reden sollte. Nicht auszudenken, wenn er es aus einer undichten Stelle im Haus erfahren würde! Doch bevor sie sich endgültig in die Höhle des Löwen begeben wollte, trat sie noch einmal kurz an den Rand der Galerie, um sich zu sammeln. Ihr Blick fiel natürlich sofort nach unten, wo sie das Team für einen kurzen Moment ungesehen beobachten konnte. Das Erste, was ihr auffiel, war natürlich Gibbs Abwesenheit. Hoffentlich holte sich dieser gerade einen Kaffee, da es einem den Umgang mit ihm durchaus erleichterte, wenn er ausreichend Kaffee in den Adern hatte. Aber es war irgendetwas anderes, was an diesem Bild, das sich der jungen Agentin gerade eröffnet hatte ganz und gar nicht stimmte:
Nahm Tony Gibbs Drohungen diesmal etwa tatsächlich ernst, oder warum sonst saß der junge Mann italienischer Abstammung noch immer fast bewegungslos vor seinem Computer, um wie gebannt auf den Bildschirm zu starren? McGee, der mittlerweile auch eingetrudelt war, schien ebenfalls nur darauf bedacht zu sein, nichts falsch zu machen. Hier hatte sich in den letzten vier Wochen tatsächlich etwas verändert, denn in einer Situation, wie dieser, wäre früher doch während Gibbs Abwesenheit sofort die Post abgegangen! Aber wer weiß, möglicherweise gab es ja wirklich einen neuen Fall, von dem Kate noch nichts wusste und die Jungs da unten sahen von hier oben immer so aus, wenn sie konzentriert arbeiteten! Wie auch immer, es wurde wirklich Zeit, sich letztendlich doch noch der Arbeit zuzuwenden, für die sie bezahlt wurde. Schweren Herzens stieß sich Kate von der Brüstung ab und ging langsam die Treppe runter, um zu helfen. Doch kaum hatte sie die letzte Stufe ereichte, wurde sie hart an ihrem Arm gepackt und von Gibbs in den Gang zu den Verhörräumen abgedrängt.
„Los mitkommen, Todd!“
Kate schrie auf und versuchte sich vehement gegen die körperliche Überlegenheit ihres Ex – Liebhabers zu wehren, doch dieser schwieg und zerrte sie weiter.
„Au Gibbs, Du tust mir weh! – Was soll das? – Wo willst Du denn mit mir hin? – Hast Du den Verstand verloren?“
Doch erst nachdem er sie in den nächstbesten Verhörraum geschoben hatte und die Tür ins Schloss gefallen war, schien er seine Stimme wieder gefunden zu haben. Wütend drängte er die verängstigte Frau gegen die Wand:
„Sollte ich als Dein Boss nicht als Erster erfahren, wenn Du mit einem Balk schwanger bist?“ Eiskalt durchbohrten sie seine blauen Augen.
Verdammt! Irgendjemand musste Gibbs schon gesteckt haben, dass sie ein Kind bekam!
Vielleicht hätte sie Ducky doch die Wahrheit sagen und ihn um seine Verschwiegenheit bitten sollen! Aber jetzt war es zu spät und die dunkelhaarige Ermittlerin konnte sich nur noch an die verzweifelte Hoffnung klammern, dass Gibbs ihr nur ein wenig Angst einjagen wollte. Doch darin irrte sie sich gewaltig, denn als sie mit einen angedeuteten Nicken wortlos seinen Verdacht bestätigte, geriet der grauhaarige Mann völlig außer Kontrolle. Entsetzt ließ er sie für einen Augenblick los, als hätte er sich verbrannt:
„Ich wusste es! - Ich hab es von Anfang an gewusst! – Warum konnte DiNozzo nicht einfach seine dreckigen Finger von Dir lassen?“ Aus seinen Augen blitze die pure Eifersucht. „Am Besten jagt er sich gleich selbst eine Kugel in den Kopf, bevor ich das tu!“
Oh mein Gott, was hatte sie mit ihrem Schweigen nur angerichtet? Bestürzt fragte sich Caitlin aber auch, wie Gibbs auf diese verrückte Idee kommen konnte, dass DiNozzo etwas mit der Sache zu tun haben könnte?
„Du – Du glaubst doch nicht wirklich, dass Tony der Vater meines Kindes sein könnte?“
„Klar, wer denn sonst? Der ist doch ganz bestimmt nicht umsonst die ganze Zeit um Dich herum geschlichen, wie ein räudiger Hund!“ Jetzt wurde nicht nur Gibbs Tonfall mehr als verletzend. Kate drehte sich entsetzt von ihm weg und wollte auf gar keinen Fall auf diese unverschämte Frage eine Antwort geben. „Was ist? Ich hab doch recht! Er hat’s Dir doch besorgt, oder? - War er wenigstens gut?“
„Jetzt reicht’s!“ Das war zu viel! Bebend vor Wut verpasste Kate ihren Boss eine Ohrfeige.
„Du elender Bastard – Glaubst Du eigentlich wirklich, was Du da gerade von Dir gibst? Wieso machst Du alles kaputt? - Ich hasse Dich!“
Vollkommen aufgewühlt riss sich die junge Frau von ihrem Widersacher los und lief weinend aus dem Zimmer.

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Kate wollte einfach nur noch weg!
Was hatte sich Gibbs nur dabei gedacht, sie derart schäbig zu behandeln? Womöglich machte er es sogar aus Absicht, oder es war ihm schlicht und ergreifend egal, wie sehr er seine Agentin mit diesen wirklich widerlich formulierten Verdächtigungen verletzt hatte! Über diese Möglichkeit wollte Kate allerdings gar nicht erst nachdenken.
Sie wollte nur noch raus!
Raus aus diesem gottverdammten Großraumbüro, in dem sie mit ihrem geradezu überstürzt wirkenden Verhalten nur noch mehr Aufmerksamkeit auf sich lenkte.
Rasch bahnte sie sich den Weg zu ihrem Platz, wo noch immer ihre Sachen lagen, die sie dort vor noch nicht mal einer Stunde abgelegt hatte. Irgendwo, an einem der Schreibtische klingelte ein Telefon. Allerdings wusste sie nicht, wo Tony und McGee abgeblieben waren, was ihr aber auch nur recht sein konnte. So musste sie wenigstens keine besorgten Fragen beantworten, die ihre beiden Kollegen schon allein aufgrund ihrer derzeitigen Verfassung gestellt hätten. Ihr schneller Rückzug war dann auch das Letzte, was Anthony DiNozzo bei seiner Rückkehr von der Toilette von ihr zu sehen bekam.
„Kate?“ Verwirrt rief der junge Halbitaliener den Namen seiner Kollegin. Sein Instinkt sagte ihm sofort, dass irgendetwas Schlimmes passiert sein musste und er sie auf jeden Fall aufhalten sollte. „Hey, Kate – wo willst Du denn hin? – Bleib hier!“ Doch der Fahrstuhl, in den Kate gestiegen war, hatte sich längst geschlossen und sein Rufen blieb ebenso erfolglos, wie das dauerhafte Drücken der Aufzugtaste, um eine schnellere Rückkehr der Kabine zu erreichen.
Gibbs, der ebenfalls wieder den Weg zurück ins Büro gefunden hatte, missfiel natürlich dieses Verhalten, da er noch immer nicht gewillt war, seinen Widersacher auch nur eine Sekunde aus den Augen zu lassen. Aus diesem Grund dröhnte seine Stimme dann auch eher wie ein Donnerhall durch das Büro, der alle, bis auf das Klingeln des Telefons verstummen ließ.
„Hey DiNozzo! Wo willst Du hin?“ Der junge Mann stockte in seiner Bewegung, aus seinem Gesicht wich jegliche Farbe. 'Verdammt!’ – In seiner Sorge um Kate hatte er doch tatsächlich seinen griesgrämigen Boss vergessen! Was, wenn dieser nun wirklich ernst machte und ihn raus schmiss?
Verzweifelt überlegte DiNozzo, wie er Gibbs nur klar machen konnte, dass es diesmal wirklich einen sehr wichtigen Grund gab, Befehle einfach zu missachten. Kate war doch schon von Weitem anzusehen gewesen, dass es ihr nicht gut ging, aber Tony hatte berechtigte Zweifel, ob das Gibbs ebenso sehen würde. Was fand seine Kollegin nur an diesem herzlose Marine, der mit seinem unmöglichen Verhalten ihre Liebe doch gar nicht verdient hatte! Der würde doch nie über seinen Schatten springen und wegen ihr seine eigenen Regeln brechen. Aber trotzdem waren die Würfel nun mal zu Gibbs Gunsten gefallen - eine Tatsache, die DiNozzo nur schweren Herzens akzeptieren konnte. Jetzt musste er jedoch erst einmal etwas tun, um eine weiter Eskalation der Situation zu verhindern.
„Kate! – Ich wollte ihr doch nur – Sie ist gerade völlig aufgelöst – “ Doch mit jedem Wort, das der junge Halbitaliener von sich gab, verdunkelten sich die blauen Augen seines Bosses noch mehr, bis seine Stimme erneute durch den Raum dröhnte
„Lass sie! - Du hast im Augenblick doch genug mit Dir selbst zu tun!“
„Aber ich –“
„Kein aber mehr, DiNozzo! – McGee geh endlich an dieses gottverdammte Telefon!“

Währenddessen haderte Abigail Sciuto im Gerichtsgebäude von Washington D.C, mit sich und der Welt.
Wieso konnte sie keinen von ihren Kollegen erreichen? Sie wollte die kurze Pause während der Verhandlung doch nur zu einem kurzen telefonischen „Hallo“ nutzen. Aber nachdem ihr eine freundlich animierte Frauenstimme bereits dreimal erklärt hatte, dass der gewünschte Gesprächspartner via Handy nicht erreichbar sei, Gibbs sie einfach weggedrückt und der Festnetzanschluss an Kate und Tonys Schreibtisch mehrfach durch geklingelt hatte, war sie nun doch etwas mehr als nur leicht besorgt. Und warum beschlich sie eigentlich seit einiger Zeit immer wieder das Gefühl, dass sie im Moment im Hauptquartier viel nötiger gebraucht werde könnte, als hier vor Gericht?

Kate hatte mittlerweile mit dem Aufzug die Tiefgarage erreicht, in der ihr Wagen geparkt war. Nichts und niemand sollte sie nun noch aufhalten können, endlich von hier wegzukommen! Doch da hatte sie die Rechnung ohne Ducky gemacht, der die Tiefgarage eigentlich nur als Abkürzung zur Pathologie nutzen wollte. Wie ein Rohrspatz schimpfte der alte Pathologe noch immer auf Special-Agent Hillman und die beiden Soldaten aus Norfolk, deren zu frühes Erscheinen nur einen Rattenschwanz voller Probleme hinter sich hergezogen hatte. Dr. Mallard hatte sich letztenendes sogar dazu veranlasst gesehen, sie bis zur Ausfahrt an der Navy Yard zu begleiten. Bei seiner Rückkehr zur Leichenhalle, traf er dann aber auf Kate, die eilig zu ihrem Wagen lief.
"Caitlin?" Sie schien völlig durch den Wind zu sein, da sie nicht einmal sein Rufen hörte. „Caitlin! – Caitlin so warte doch!“ Doch seine brünette Kollegin schien ihn einfach zu ignorieren. Sie öffnete die Wagentür und stieg ein. Also lief Ducky, so schnell es ihm in seinem gesetztem Alter noch möglich war, ihr hinterher und erreichte sie gerade noch rechtzeitig, bevor sie endgültig wegfahren konnte. Um jedoch trotzdem auf Nummer sicher zu gehen, dass sie nicht doch noch tag, öffnete er zusätzlich die Fahrertür.
"Caitlin, Gott sei Dank! Ich dachte schon, ich erwisch Dich nicht mehr!" Langsam ging der Pathologe vor der dunkelhaarigen Agentin in die Knie, um mit ihr auf gleicher Augenhöhe reden zu können. Doch die junge Frau war nicht gewillt, ihm auch nur einen Augenblick zuzuhören. Stattdessen fauchte sie ihn nur ziemlich böse an:
„Lass mich in Ruhe, Duck. Hast Du für heute nicht schon genug Schaden angerichtet?“
Caitlin war noch immer der festen Überzeugung, dass sie ihr, ach so väterlicher Freund an Gibbs verraten hatte. Doch Dr. Mallard sah sie nur fragend an:
„Ich soll was angerichtet haben, Caitlin? – Und wieso? – Was hab ich denn - ?“
"Wenn Du mir jetzt auch noch eine Moralpredigt halten willst, kannst Du das gleich vergessen - ich werde Dir nicht zuhören!" Damit versuchte sie die Fahrertür zu schließen, doch der alte Schotte stemmte sich vehement mit seine Hand dagegen, so dass Kate keine Chance hatte, sie auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Er wusste zwar noch immer nicht genau, was los war, aber schön langsam riess auch ihm der Geduldsfaden.
„Ich weiß wirklich nicht, was Du damit meinst, Caitlin! Aber eines würde mich jetzt doch interessieren: Wieso läufst Du vor mir weg? Was ist den nur passiert, seit Du bei mir in der Pathologie gewesen bist?" Doch die Gefragte gab ihm keine Antwort, sondern starrte nur geradeaus durch die Windschutzscheibe. "Ich versteh es nicht! Wieso spielt ihr denn nur alle plötzlich so verrückt? Jethro benimmt sich seit Wochen wie ein Amokläufer, Anthony traut sich kaum noch in seine Nähe und jetzt läufst Du auch noch davon! Redet doch endlich miteinander! Und wenn ihr das nicht könnt, dann redet wenigstens mir!“ Auf Duckys Gesicht machte sich ehrliche Verzweiflung breit, da er wirklich Angst hatte, dass ihm seine kleine "Familie", die ihm in seinem eigenen Leben immer versagt geblieben war, einfach so auseinander brach.
Verunsichert rutschte Kate auf ihrem Fahrersitz hin und her. Hatte sie Ducky etwa doch schuldlos verdächtigt, sie derart schamlos verraten zu haben? Hätte er seinem langjährigen Freund von dem Baby erzählt, müsste seine Reaktion auf ihre Anschuldigungen doch völlig anders klingen. Trotzdem änderte das aber nichts an der Tatsache, dass ihr Gibbs gerade unglaublich weh getan hatte! Aber vielleicht schien nun doch der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein, in dem sie sich Ducky anvertrauen sollte. Ihr Hals war plötzlich staubtrocken und sie musste erst ein paar Mal schlucken, bevor sie wieder etwas sagen konnte:
„Mit - mit wem soll ich denn reden, Ducky?“ Verzweifelt versuchte sie noch immer ihre Tränen zurückzuhalten. „Gibbs hat mir vorhin doch deutlich zu verstehen gegeben, dass ihm nichts an mir liegt!“
Ducky atmete durch. Damit hatte die junge Frau fast schon zugegeben, dass er Recht gehabt hatte. Allerdings wusste er dadurch noch immer nicht, was passiert war. Irgendetwas Schlimmes musste zwischen den Beiden doch vorgefallen sein, sonst würde Caitlin wohl kaum wie ein Häufchen Elend vor ihm sitzen. Vorsichtig versuchte er ihr noch ein paar weitere Einzelheiten zu entlocken.
„Liegt Dir denn so viel an Jethro?" Der alte Pathologe legte sanft seine rechte Hand auf ihren linken Unterarm, um seiner Frage ein bisschen mehr Nachdruck zu verleihen Doch Kate brauchte erneut einen Augenblick, da sie ihr Mut schon wieder verlassen hatte. "Ist er vielleicht der Grund für Deinen überstürzten Aufbruch? - Caitlin - bitte!" Die junge Frau schloss verzweifelt die Augen. Wieso musste Ducky sie nur so quälen? "Bitte sieh mich an - ich will Dir doch nur helfen!“ Als aber auch das nichts nutzte, entschloss sich Ducky, die wohl wichtigste Frage des ganzen Gespräches zu stellen. Er legte seine Finger unter ihr Kinn und drehte vorsichtig ihren Kopf in seine Richtung. Dann fragte er ganz leise:
„Ist Jethro der Vater Deines Kindes?“
Erschrocken öffnete Caitlin natürlich sofort ihre Augen:
„Du weißt es also doch?"
„Er ist es also?“
Kate nickte und sah nur beschämt zu Boden.
„Und wieso verhaltet Ihr Beide Euch dann wie Fremde, die nicht wissen, wie sie miteinander umgehen sollen? Jethro liebt Kinder, er wird ganz bestimmt ein guter -“
Doch Kate schüttelte nur den Kopf. „Es tut mir Leid, Ducky, aber mittlerweile ist es einfach zu spät…“ Damit war das Gespräch für sie beendet. Sie ließ den Wagen an, legte einen Gang ein und fuhr einfach davon.
Ducky blieb zurück und und starrte ihr ungläubig hinterher. Was sollte er von dem Ganzen nur halten und wieso sollte es zu spät sein? Die Beiden waren doch schon seit ihrer ersten Begegnung in der Air Force One füreinander bestimmt! Der, sonst so taffe Pathologe verstand die Welt nicht mehr - doch dann erhellte sich plötzlich seine Miene, als er langsam die Zusammenhänge zu verstehen begann:
„Oh mein Gott, Caitlin! Kann das Schicksal wirklich so grausam sein, dass Jethro Eure Liebesnacht einfach vergessen hat?“

Entschlossen, die Erinnerung von Gibbs endlich zu Kates Gunsten wach zu rütteln, machte sich der alte Pathologe natürlich sofort auf die Suche nach seinem besten Freund.
Im Großraumbüro fehlte jedoch jegliche Spur von ihm, ebenso war auch Tony DiNozzo nicht mehr an seinem Platz. Nur McGee starrte ziemlich verstört auf seinem Computerbildschirm. "Timothy, kannst Du mir sagen, wo ich Jethro finde? Ich muss ihn nämlich sofort sprechen!" Doch der MIT-Absolvent antwortete nicht.
"Timothy? Hast Du mich gehört? - Wo ist er?" Gleichzeitig berührte Ducky den jungen Mann vorsichtig an der Schulter, um seine Aufmerksamkeit zu gewinnen. "Hast Du Jethro gesehen?"
Langsam begann McGee seine Umgebung wieder zu realisieren und er versuchte verzweifelt nach Worten zu suchen.
"Er - er hat Tony einfach in die Herrentoilette gezerrt und die Tür hinter sich zugeschlagen."
"Was?" Obwohl das jüngste Mitglied aus Gibbs Team ihm nicht genau gesagt hatte, was tatsächlich los war, wusste Ducky auch so ganz genau, dass er mit dem Schlimmsten zu rechnen hatte und Gibbs vielleicht gerade tatsächlich Amok lief. Ganz vorsichtig, da er nicht wusste, was ihn erwartete, öffnete er die Toilettentür. Allerdings blieb das einem wütenden Marine, wie Gibbs natürlich nicht lange verborgen:
"Raus hier, Duck! Das hier drinnen geht nur mich und unseren italienischen Zuchthengst etwas an!"
Der noch immer ziemlich gut durchtrainierte Ex-Marine hatte seinen schwer atmenden Senior-Agent bereits gegen die kalte Wand gedrängt und den rechten Unterarm gegen dessen Hals gedrückt. Sofort machte der Pathologe ein paar Schritte nach vorne, um das schlimmste Unheil zu verhindern.
"Oh Gott, Jethro - nein! - Bist Du jetzt komplett wahnsinnig geworden!" Doch Duckys Warnung beeindruckte Gibbs in keinster Weise, wodurch sich der alte Schotte gezwungen sah, es auf eine andere Art und Weise zu versuchen:
"Jethro - Ich beschwöre Dich, um unserer Freundschaft Willen, lass Anthony los!"
"Was ist? Willst DU mir jetzt etwa schon erzählen, was ich zu tun hab, Dr. Mallard? DiNozzo weiß ganz genau, dass er Scheiße gebaut hat!"
"Jethro bitte - ich weiß nicht, was Du Anthony vorwirfst, aber Gewalt kann nicht wirklich die Lösung für Deine Probleme sein! Beruhig' Dich doch erst ein wenig und lass und dann über alles reden."
"Reden? - Über was denn?"
Ducky hatte zumindest für einen kurzen Augenblick Gibbs komplette Aufmerksamkeit.
"Vielleicht darüber, wie Du tatsächlich zu Caitlin stehst und dass Anthony ganz sicher nichts mit ihrer Schwangerschaft zu tun hat?"
Gibbs zögerte, doch dann löste er seinen Griff von DiNozzo und schien tatsächlich auf seinen alten Freund hören zu wollen. Tony griff sich sofort an den Hals, um wieder nach Luft schnappen zu können. Gleichzeitig machte er aber auch den Fehler, seine Überraschung über Duckys Worte nicht für sich behalten zu können. Denn kaum hatten die Worte "Kate" und "schwanger" seinen Mund verlassen,wurde er auch schon wieder ziemlich massiv von Gibbs in die Ecke gedrängt. Die Worte, die er dabei benutzte klangen eiskalt!
"Tu nicht so, als ob Du das nicht wüsstest! Zum Kinder machen braucht man immer noch zwei! - Hattet ihr wenigstens Spaß, Euren alten Boss so zu verarschen?"
"Ich soll was?" Tony konnte kaum glauben, dass Gibbs ihm gerade tatsächlich unterstellen wollte, er habe mit Kate geschlafen. "Oh Gott, nein - Ich würde doch nie -" Doch Gibbs Geduld mit dem jungen Halbitaliener war am Ende. Er hatte es einfach satt, DiNozzos Ausflüchte noch länger mitanzuhören. Er holte aus und wollte Tony mit einem Faustschlag zum Schweigen bringen, doch Ducky stellte sich ihm in den Weg und griff blitzschnell nach seinem Arm.
"Nein, Jethro! Mach Dich nicht unglücklich! Ich flehe Dich an, lass uns endlich reden!" Sekundenlang starrten sich die beiden alten Freunde wie Kontrahenten gegenüber - bis Gibbs plötzlich den Blickkontakt brach und seinen, um Jahre jüngeren Widersacher los ließ.
"Raus hier - oder ich vergess mich noch mal!"
Unsicher löste sich Tony von der Wand und ging vorsichtig ein paar Schritte auf die Tür zu. Konnte er Ducky jetzt tatsächlich alleine lassen? Der Pathologe schien jedoch seine Gedanken lesen zu können:
"Geh nur, Anthony und keine Angst, er wird mir ganz bestimmt nichts tun!"
"Glaubst Du wirklich?" DiNozzo war sich da gar nicht so sicher.
Ducky nickte, während Gibbs ihn allein durch seine Blicke regelrecht aus dem Raum warf. Noch nie hatte Tony eine Tür so schnell hinter sich geschlossen, wie an diesem gottverdammten Vormittag.
Im Vorraum zur Toilette wandte sich Gibbs währenddessen wütend seinem seinem langjährigen Weggefährten zu:
"Du hast zwei Minuten!"
Doch der alte Pathologe ließ sich von solchen Drohgebärden kaum beeindrucken. Stattdessen versuchte er vielmehr durch seine unnachahmliche Art und dem Klang seiner Stimme sein Gegenüber etwas zu beruhigen:
"Ich finde zwar, dass das hier nicht unbedingt der richtige Rahmen für das ist, was ich Dir jetzt sage. Aber angesichts der angespannten Situation, die hier seit Wochen herrscht, haben wir einfach keine Zeit mehr, irgendetwas aufzusparen oder zu verschieben!"
"Eins Dreißig"
"Ja, ich weiß, Jethro. Aber hast Du Dich in den letzten Wochen eigentlich nie gefragt, wieso Caitlin Dir gegenüber plötzlich so distanziert gewirkt hat, oder warum sie während ihres Urlaubs nur noch zu Anthony und Abigail Kontakt gehalten hat?"
"Nein, wieso sollte ich. Vermutlich hatte sie ein schlechtes Gewissen, weil sie sich nicht an meine Regeln gehalten hat und mit DiNozzo ins Bett gestiegen ist!"
"Von dem Gedanke, dass Anthony der Vater ihres ungeborenen Kindes sein könnte, lässt Du Dich also nicht mehr abzubringen, hab ich recht?" Ducky musterte seinen Kollegen, um die Wahrheit herauszufinden.
"Natürlich, wer käme denn sonst noch in Frage? Du hättest die Beiden bei dem Einsatz am Anacostia erleben müssen. Die sind doch schon damals fast übereinander hergefallen - das war nicht nur Show! Verdammt noch mal, ich hätte damals schon merken müssen, dass er sie f-"
"Nein Jethro, das hat er sie nicht. Aber Deine Eifersucht hat Dich einfach blind gemacht. Blind für all die Dinge, die Du bei normalen Verstand ganz bestimmt nicht übersehen hättest. Hast Du Dir eigentlich nie überlegt, weshalb eine so hübsche Frau, wie Caitlin keine feste Beziehung hat? Oder warum Anthony immer noch mit anderen Frauen ausgeht, wenn er doch etwas mit Caitlin am Laufen hat?"
"Hast Du je eine davon gesehen? Die Beiden hängen doch ständig miteinander rum!"
"Ja, das tun sie. Aber wie passen denn da McGee und Abby ins Bild? Die Beiden sind fast immer auch mit von der Partie? Glaub mir, Anthonys Anziehungskraft auf Caitlin ist nicht anders zu sehen, als die Liebe zu ihren Brüdern." Dr. Mallard machte eine Pause, um seine Worte etwas wirken zu lassen. Da Jethro schwieg, machte er kurz danach weiter, wechselte aber das Thema. "Verfolgt Dich eigentlich noch immer dieser Traum von dieser wundervoll gebauten Frau, deren Gesicht Du aber noch nie gesehen hast? - Und was ist mit dieser seltsamen kleinen Elfe, die Dir ebenfalls in Deinen Träumen begegnet? Hast Du Dich noch nie gefragt, woher Du diese Erinnerungen haben könntest? - In Caitlins allgemein zugänglicher Personalakte steht nichts über ihr Tattoo. Aber wie solltest Du sonst auf dieses kleine Geschöpf gestoßen sein?"
Ducky stoppte, denn Jethro sollte sich die losen Enden selbst zusammenknüpfen und von allein die verlorenen Stunden vor seinem Unfall mit Erinnerungen füllen.
Vor allem, nachdem Gibbs die letzten Fragen seines Freundes gehört hatte, begann sich in seinem Kopf plötzlich alles zu drehen - gerade so, als ob er die ganzen Informationen, die scheinbar alle auf einmal in sein Gedächtnis zurückkehren wollten, nicht zu fassen bekam. Erinnerungsfetzen tauchten vor seinem inneren Auge auf und verschwanden wieder. Bilder von der Bar, in der sie sich getroffen hatten. Lachen, Musik, der Fahrt zu ihrem Haus. Erinnerungen an das wunderschöne Gesicht von Katie, als sie sich zu ersten Mal vereinten und an das Lächeln auf ihren Lippen, als sie in seinen Armen eingeschlafen war. Wie konnte er das alles nur vergessen? Oh Gott, was hatte er Katie nur angetan! Entsetzt schloss er die Augen, seine Beine gaben nach und er musste sich mit einer Hand an Ducky abstützen, um nicht zu fallen. Wie konnte er sie nur so schäbig behandeln und tatsächlich glauben, dass DiNozzo etwas mit ihrem Baby zu tun haben könnte? Eigentlich sollte er die größte Wut doch auf sich selbst haben! Wieso hatte er nicht einfach gespürt, dass da etwas ganz Besonderes zwischen Caitlin und ihm entstanden war?
Und wieso stand er eigentlich noch immer hier in dieser verdammten Toilette? Hoffentlich war es noch nicht zu spät, die Frau seiner Träume noch einmal um Verzeihung zu bitten. Bevor er los lief, hörte er allerdings noch aus der Ferne den Rat seines Freundes:
"Viel Glück, Jethro. Ich denke, Du findest Caitlin am Ehesten bei sich zu Hause..."

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